Die Welt und wir im Spenderkreis

Im Oxfam Shop wird gespendete Kleidung verkauft und ein bewusster Umgang mit Mode und Konsum groß geschrieben. Mitarbeiterinnen und Kundinnen berichten über ihr Engagement im Oxfam Shop und ihre Einstellungen zu Mode und Konsum.

Second-Hand aus Überzeugung

Die Second-Hand-Kette Oxfam ist gegen ständigen und massiven Konsum von Neuem. Nach dem Motto: „Mach Überflüssiges flüssig“ trägt das Unternehmen zu einem nachhaltigen Konsum bei. Im Oxfam Shop Münster, der seit 11 Jahren besteht, wird gespendete Secondhandware für einen guten Zweck verkauft. Hier trifft ehrenamtliche Tätigkeit auf das Verkaufen gespendeter Ware – zwei Dinge, die den Oxfam Shop vom herkömmlichen Secondhandladen unterscheiden. Mit beiden Faktoren im Hinterkopf unterstützen 70 Mitarbeiter Projekte zur Entwicklungs- und Katastrophenhilfe.

Hier sprechen Mitarbeiter und Kunden von Oxfam über ihre Haltung zur Mode und ihr eigenes Konsumverhalten. Die Einstellung zu Kleidung und Modekonsum ist hier grundsätzlich ein Thema. Ein gewissenhafter, bewusster und nachhaltiger Umgang ist selbstverständlich. Im schlichten, naturbelassen eingerichteten Oxfam Shop steht die Ware im Fokus. Warmes Licht und viel helles Holz sorgen für eine wohnliche Atmosphäre, die dazu einlädt, sich um zu schauen.

Das Ehrenamt ist eine Haltung

Das Ehrenamt ist eine innere Haltung, meist ein politisch motiviertes Engagement, um nicht zuletzt bedürftigen Menschen zu helfen. Die Shopleiterin S. Laudick arbeitet seit 3 Jahren bei Oxfam. Nach ihrer Pensionierung wollte sie sich für einen guten Zweck engagieren, der „im weitesten Sinne politisch verstanden werden kann“. Für sie ist das wichtigste, anderen Menschen etwas zurück zugeben. Ihr Engagement bei Oxfam gibt ihr die Möglichkeit Dankbarkeit für die Chancen, die sich in ihrem Leben boten, aus zu drücken. Molitor ist für Oberbekleidung zuständig und arbeitet bereits seit Jahren hier. Nach verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten hatte sie erst bei Oxfam das Gefühl, ausgefüllt zu sein. Die Mitarbeiterinnen fühlen sich wohl und mögen die gute Atmosphäre. Sie schätzen den Umgang mit Menschen und netten Kollegen.
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Worauf es bei Spenden ankommt

Bei Spenden für Oxfam ist es wichtig, dass die Kleidungsstücke sauber und gut erhalten sind. Beim Auslegen der Ware wird darauf geachtet, dass das Image vom Laden gewahrt wird- hier gibt es bessere bis richtig gute Kleidung und nicht „die letzten „Schlüppchen“, lässt Mitarbeiterin Beck, die für Schuhe zuständig ist, wissen. Es kommt nur das in den Laden, was Spender selbst auch tragen würden. Die Kleidung wird hauptsächlich nach Alter, Marke und Zustand beurteilt. Nicht jedes gespendete Teil wird angenommen, worauf mancher Kunde schon mal pikiert reagiert oder sich weigert, die Teile wieder mit zu nehmen.

Wissen, wohin die Spende geht

Hier spenden Kunden und Mitarbeiter. Unter den Spendern sind auch Menschen, die hier nie einkaufen würden. Andere kaufen hier nur ein und spenden woanders. Unverkäufliche Ware geht zur „Brockensammlung Bethel“ , an lokale Sozialkaufhäuser oder Beschäftigungsprojekte. Nicht mehr Tragbares geht an Textilrecycling-Firmen. Kunden spenden außerdem bei Kleidertausch-Parties, für das Rote Kreuz, oder als Hilfe für Flüchtlinge.
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Wieviel gespendet wird

Wie viel beziehungsweise zu welchem Geldwert die Leute im Durchschnitt an Kleidungsstücken spenden, ist sehr unterschiedlich. Eine Mitarbeiterin berichtet, dass letztens eine Tüte voller Hilfiger-Sachen im Wert von 150 bis 200 Euro neu oder noch mehr dabei gewesen sei. Spenden von solchem Wert sind allerdings Ausnahmen. „An der Tüte kann man’s manchmal schon ermessen, was da drin ist“, sagt Molitor. Oxfam führt auch viele Nachlass-Waren von älteren Damen, die qualitativ sehr hochwertig sind. Das Angebot von Kleiderspenden im Wert zwischen 60-70 Euro und günstiger sind bei Oxfam die Regel.

Diverses Klientel

Die Kunden von Oxfam finden aus ganz unterschiedlichen Gründen in den Laden. Es gibt Stammkundschaft, die kommt, weil Oxfam alle drei Wochen Neues anbietet. Andere kaufen dort aus Prinzip gegen Ressourcenverschwendung ein. Neben Leuten, die auf preiswerte Kleidung angewiesen sind, kommen auch Leute, die aus Geiz teure Marken als Schnäppchen ergattern wollen. „Die picken also die Rosinen, wie die Kanzlerin sagt“, der Kommentar der Mitarbeiterin Beck dazu. Eine Kundin kam vor drei Jahren auf Empfehlung einer Freundin zu Oxfam und ist seitdem Kundin dort. Eine Zeit lang hat sie probiert, nur noch bei Flohmärkten oder im Secondhandladen zu kaufen, was nicht immer gelang.
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Schauen, was gerade da ist

Da nicht vorhersehbar ist, was für Kleidungsstücke genau im Laden verkauft werden können, lautet die Devise: Schauen, was gerade da ist und und ob man es gebrauchen kann.

Secondhand: eine politische und ethische Frage

Bei Oxfam wird gespendete Kleidung anderen Menschen nicht nur zur Verfügung gestellt; der bewusste Umgang mit Kleidung ist hier sicherlich an hochgesteckte wirtschaftliche und politische Zielvorstellungen gebunden. Ein Ziel lautet, massenhafter Neuproduktion wie bei Primark entgegenzuwirken. Eine Kundin findet es nicht gut, wenn Leute mehrere hundert Euro für eine Tasche ausgeben und das mit wenig Verständnis dafür, dass Menschen am anderen Ende der Welt da sehr lange von leben können. Das sei ein Kaufen von Dingen „die die Welt nicht braucht“. Sie hat ein besseres Gefühl dabei, wenn sie das benutzt, was schon da ist. Da Oxfam keine neue Kleidung produziert, nutzt es keine schlechten Arbeitsbedingungen bei der Kleidungsherstellung aus. Das gleiche gilt für die Verwendung von Tierhäuten, Pelzen und Chemikalien.

Kleidung ist eine Frage des Stils

Bei eigener Kleidung achten die Mitarbeiterinnen auf Qualität und darauf, dass die Kleidung zum eigenen Stil passt. Sie soll sich lange und gut tragen lassen. Beck gibt zu: „Wahrscheinlich kauf ich mir ein bisschen zu viel“ und lacht. Beim Einkaufen von Kleidung gehen Kunden nach Geschmack, nach Farben, der eigenen Stimmung oder danach, dass etwas ausgefallen ist. Es wird nicht auf neue Kleidung oder Trends gesetzt, sondern auf Langfristiges. Dem eigenen Stil wird treu geblieben. Beim Einkaufen ist eine Kundin der Typ: „Kam, sah und siegte.“

Auf die Werte kommt es an

Mitarbeitern wie Kunden kommt es beim Umgang mit Kleidung auf die Werte an. Laudick war als Jugendliche auf Modisches aus, geht aber spätestens seit ihrer Zeit bei Oxfam bewusst mit Mode und Konsum um. An Änderungen im Konsumverhalten gehe „glaube ich, kein Weg vorbei, auch wenn die Veränderung in den Köpfen langsam geht“. Sie hat alles, aber wenn sie doch etwas kauft, ist ihr wichtig, woher die Mode kommt. Sie legt wert auf Lokales, denn das Outsourcing von Modeproduktion findet sie furchtbar. Teile, auf denen „Made in Bangladesh“ steht, legt sie zur Seite.

Molitor steckte schon damals ihre Kinder aus Überzeugung in Secondhandware. Kundschaft von Oxfam ist es wichtig, dass von der Modeindustrie und den Medien nicht länger unrealistische Ideale von gerade jungen Frauen produziert werden. So manches Mal gehe es gar nicht um Bedürfnisse nach Produkten, so wie uns vorgegaukelt werde, sondern um zwischenmenschliche Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen. Man müsse einfach mal miteinander auf Augenhöhe reden. Wenn sie hier etwas finde anstatt bei H&M oder C&A, habe sie ein besseres Gewissen, denn damit unterstützt man etwas Gutes. Früher war ihr Konsumverhalten eher ein pragmatisches und nicht bewusstes und sie empfand sich nicht als Einfluss nehmend. Jetzt ist sie mit wenig zufrieden und zu merken, gerade auch mal nichts zu brauchen, empfindet sie als sehr befreiend.

Kaufen, was gefällt

Gefallen und Wohlfühlen steht an erster Stelle. Den meisten der fünf Damen ist es egal, was andere Leute von ihrer Kleiderwahl halten. Molitor ist die Meinung anderer schon wichtig, denn wer freut sich nicht über positives Feedback? Man müsse offen für Kritik sein; sie kann aber auf die Meinung Ihrer Kolleginnen vertrauen, falls sie modisch einmal daneben greift. Wichtig ist der Kundschaft auch, bei Terminen einen kompetenten Eindruck zu hinterlassen: „Persönlichkeit steht bei mir viel höher als Mode.“

Fair, Öko, Ökonomisch

Secondhandläden wie Oxfam sind gerade neben dem Massenmodenmarkt wichtig. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und stehen für einen ökologischen, ökonomischen und fairen Umgang mit Mode. Ökologisch, da sie die Ressourcen der Erde nicht belasten. Ökonomisch, da gebrauchte Kleidung weiter verwendet wird. Fair, weil das Prinzip von Secondhandläden denen hilft, die über wenig Budget verfügen. Secondhand bedient aber auch diejenigen, die den Massenmodenmarkt und seine unmenschlichen und ausbeuterischen Produktionsbedingungen nicht ständig unterstützen wollen. Wir müssen also nur noch folgen!

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