Für eine Durchlässigkeit der Grenzen

Uuuuund Müller zieht stark nach vorne, Gomez geht mit, überragender Pass, die Abwehr ist chancenlos, Gomez zurück auf Müller, und TOR! TOOOR!  Zusammen zum Ziel. Was im Fußball funktioniert, gilt auch für das Theater. „Fonds Doppelpass“ nennt sich das Programm der Kulturstiftung des Bundes, das Kooperationen zwischen freien Gruppen und festen Institutionen fördert – unter anderem unser STOFF-Projekt. Sebastian Brünger, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kulturstiftung des Bundes, erklärt das Programm und seine Visionen.

Welche Aufgabe hat die Kulturstiftung des Bundes?
Sebastian Brünger: Die Kulturstiftung des Bundes, gegründet im Jahr 2002, fördert zeitgenössische Kunst und Kultur im Rahmen der Zuständigkeit des Bundes. Ein Schwerpunkt ist dabei die Förderung innovativer Programme und Projekte im internationalen Kontext. Dabei investiert die Stiftung auch in die Entwicklung neuer Verfahren der Pflege des Kulturerbes und in die Erschließung kultureller und künstlerischer Wissenspotentiale für die Diskussion gesellschaftlicher Fragen. Im Theaterbereich setzt sich die Kulturstiftung des Bundes für die Stärkung der deutschen Theaterlandschaft und ihre Zukunftsfähigkeit ein. Seit 2005 hat sie verschiedene Strukturförderprogramme ins Leben gerufen, die durch gezielte Impulse die gesellschaftliche Relevanz der Theater stärken und neue Arbeitsweisen entwickeln helfen sollen.

Was ist der Fonds Doppelpass?
Sebastian Brünger: Der Förderprogramm „Doppelpass“ vereint die Motive seiner Vorgängerprogramme im Sinne der Vernetzung und Öffnung und erweitert sie um das Anliegen, freie Gruppen und Theaterinstitutionen in Deutschland zum Erproben neuer Formen der Zusammenarbeit und künstlerischen Produktion anzuregen. Kernstück des Fonds ist ein zweijähriges Residenzprogramm, innerhalb dessen eine freie Gruppe und ein Theaterhaus neue Formate, Methoden und Themen in gemeinsamen Projekten erarbeiten und reflektieren können. Inzwischen gehören fast 60 Projekttandems zum Kreis der Geförderten. Mit dem neuen „Doppelpass Plus“ ab nächstem Jahr geht es zudem auch um gastspielorientierte Arbeitsweisen und die Tourfähigkeit von Produktionen.

Warum „Doppelpass“?
Sebastian Brünger:

Als der Fonds im Jahr 2011 aufgesetzt wurde, standen sich vielerorts Stadttheater und Freie Szene tendenziell noch gegenüber wie zwei verschiedene Welten. Der „Doppelpass“ sollte, um im Bild zu bleiben, den Grenzverkehr erleichtern: Zugänge schaffen, Interesse wecken, neue Perspektiven eröffnen…

Die Fußballmetaphorik kam später dazu, passt aber auch: Teamarbeit, mit Ehrgeiz und Freude am Spiel. Da mögen anfangs die Laufwege und Spielweisen noch nicht aufeinander abgestimmt sein, aber mit der Zeit können diese eingeübt werden…

Was ist die Vision des Förderprogramms?
Sebastian Brünger: Der Doppelpass möchte einen Entwicklungsprozess, die zunehmende Durchlässigkeit der Grenzen zwischen Stadttheatern und freier Szene, aufgreifen und nachhaltig dynamisieren. Das Programm soll das wechselseitige Verständnis und den Respekt auf beiden Seiten verstärken und damit auch die Zuschauerkreise vermischen. Die Strukturdebatte soll intensiviert und in Richtung Öffnung gelenkt werden. Mit Doppelpass Plus soll darüber hinaus das gastspieltaugliche Produzieren eingeübt werden, um die Lebensdauer der Projekte zu verlängern und den allgegenwärtigen Neuproduktionsdruck zu verringern.

Warum wurde das STOFF-Projekt ausgewählt?
Sebastian Brünger: Alle aktuell geförderten Doppelpass-Projekte wurden im April 2016 von einer unabhängigen Jury aufgrund ihrer künstlerischen Qualität, ihren bemerkenswerten Formaten und neuen Arbeitsweisen ausgewählt.

Was finden Sie persönlich interessant an unserem Projekt, wo sehen Sie Chancen und Möglichkeiten?
Sebastian Brünger: Persönlich empfinde ich das STOFF-Projekt als wunderbares Doppelpass-Projekt: Inhaltlich, weil ungewöhnlich umfassend an fernen Ecken der Welt recherchiert wird, um globale Zusammenhänge lokal in Bielefeld zu verorten. Und strukturell, weil von beiden Partnern neue Wege beschritten werden, viele unterschiedliche Akteure mit einbezogen werden und spartenübergreifend im Haus gearbeitet wird. Das ist ein ambitioniertes und mutiges Vorhaben.

Was bleibt im besten Fall nach den zwei Jahren?
Sebastian Brünger: Wir erhoffen uns idealerweise am Ende eines Projektes, dass zwischen den Doppelpass-Partnern Kooperationstrukturen gewachsen sind, die auch ohne die Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes produktiv bleiben. Kurzum, was bleibt hoffentlich in Bielefeld? Ein außergewöhnliches erfolgreiches Projekt und ein Plan für das nächste…

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