individueller-Hund auf der Fashion Week Berlin

Die Sache mit der Masse und der Individualität

So sind wir also vor die Hunde gekommen. Von dem Irrglauben, mit einem Massenprodukt individuell zu sein.

Wir leben in der Zeit der Massenproduktion. Wir wollen von allem viel. Wir haben zu viele Kleider, zu viel Geld, zu viel Essen, zu viel Müll und zu wenig Qualität. Qualität nimmt immer mehr ab und spielt im gleichen Zug weniger eine wesentliche Rolle. Wir konsumieren und schmeißen weg, weil uns ein Kleidungsstück nicht mehr gefällt oder es nach drei Mal Waschen auseinanderfällt.

Mit der Massenmode wird uns proklamiert, dass wir individuell gekleidet sind. Der Wunsch nach Einzigartigkeit ist so stark wie nie zuvor und gleichzeitig kleiden wir uns in dem Glauben einzigartig zu sein, immer weniger individuell. Wir leben in der Zeit der Selbstdarstellung auf Instagram und co. Selbstinszenierung war noch nie so massenhaft populär wie heute. Tendenz steigend. Das geht einher mit unserem Glauben an die Einzigartigkeit unseres „individuellen“ Erscheinungsbildes.

Unsere heiß geliebte Individualität ist nämlich futsch! Futsch durch Masse. Futsch durch den Wunsch dazu zu gehören. Futsch durch massenhafte Performace des Einzelnen. Deshalb begeben wir uns auf die Suche nach der unverwechselbaren Einzigartigkeit, die uns die Pressetexte und Werbung täglich in der Modewelt versprechen. Jedes Label lässt über seine Kollektionen schreiben, sie seien vor allem individuell. Es schenkt dem/der Träger/In mit dem Satz: „Ein Mix aus Materialien und Strukturen verleiht Ihnen einen individuellen Look….“ Glauben, dass seine Kleider eine Aura der Besonderheit, Selbstbewusstsein und Einzigartigkeit versprühen.

Heute wird ein Massenprodukt meist als individuell beworben. Aber wie bitte schön kann ein Massenprodukt als individuell bezeichnet werden? Es ist Masse und wird von Massen getragen. In der Diskussion wird mit dem Argument gepunktet, „… ja es kommt doch auf die Kombination an….“ Hauptsache man trägt Trend. Die Frage ist dann aber: Kann man trendbewusst überhaupt individuell sein?

Individuell = ungeteilt. Es bezeichnet die Einzigartigkeit eines Menschen oder eines Gegenstandes. Gibt es ihn zwei Mal, dann ist es aus mit der angestrebten Individualität. In der Masse schon mal ganz. Individuell ist der, der sich von der Masse abhebt, sich traut anzuecken, nicht einzuordnen ist und mit seinem Stil einen eigenen Kleidercodex formuliert.

Foto: Susanne Beckmann

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