Rückblick: Ein kraftvolles Bollwerk gegen den Klimawandel

Es waren nicht nur das eigensinnige Wetter und die eisigen Winde Berlins, die die Besucher ins Kraftwerk trieben und damit dem Greenshowroom auf der Mercedes Benz Fashionweek im Januar 2018 einen wahrhaftigen Besucheransturm bescherten. Vielmehr war das Zusammenspiel zwischen nachhaltiger Mode und Nachhaltigkeit verlockend, die beide zusammen zukünftig einen positiven Einfluss auf unser Klima nehmen sollen.

Dass Nachhaltigkeit in der Mode schon lange mehr als bloße Zukunftsmusik mehr ist, zeigte der mehr als gut besuchte Greenshowroom auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin. Die Organisatoren boten alles an Instrumenten auf, die das Gehör der Besucher für Nachhaltigkeit erreichen aber auch schulen sollten. Dass das so im grünen Bereich verlief, lässt sich durch die komponierten und auf die Besucher abgestimmten Attraktionen begründen. Eine davon war die Wahl eines neuen und zentraleren Standortes, die mit dem beeindruckenden und großflächigen Kraftwerk wirklich ausgezeichnet getroffen wurde. Die große Fläche bot genügend Raum für die Ideen und Produkte der verschiedenen Labels. Insgesamt waren es 170 Stück aus 26 Nationen, die mittels Casual-Fashion aus recyceltem Plastik und Ketten aus Holz globale und ökologische Ästhetik propagierten. Diese fiel den Besuchern auf, sodass die Verkäufer viele neue Kunden auf sich aufmerksam, und schon dort gute Umsätze machen konnten.

(Grüner) Daumen hoch

Der fruchtbare interaktive Austausch mit den Herstellern und die abwechslungsreiche Anordnung der Stände war jedoch nicht das Einzige, was dem Fachpublikum geboten wurde. Ein geschicktes Händchen mit einem grünen Daumen bewiesen die Organisatoren durch die Kooperation mit der Fashiontech und dem Einbau der FashionSustain-Konferenz. Hier spielte vor allem der Transformationsprozess und die futuristische Technologisierung der Modebranche eine große Rolle. Wie gut und elegant die Mode der Zukunft aussehen könnte, zeigte dann am Mittwochabend die Ethical Fashion Show. Hier zeigten die Designer vor allem elegante Mäntel und Blazer in gedeckten Farben mit weiteren, eleganten Schnitten. Die getragenen Stücke sind wie die generelle Mode der Messe ready-to-wear. Die Designer wollten aber wohl möglichst viele Menschen für ökologische Mode gewinnen, sodass sie auf waghalsige Experimente und extravagante Schnitte und Formen verzichten. Dies zeugt von der Wichtigkeit dieser Nachhaltigkeitsthematik für die Gesellschaft und für die Mode.

Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch das Wetter

Die Messe des Greenshowrooms auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin war diesbezüglich ein immens wichtiger Schritt auf der Straße, die Mode und Gesellschaft wieder annähern soll. Für die aktuell kriselnde Modeindustrie ist es gerade jetzt wichtig, nicht den Anschluss an die Gesellschaft und an die für sie relevanten Themen zu verlieren. Dass das Konzept des Greenshowrooms verbessert und noch mehr auf die Bedürfnisse der Besucher angepasst wurde, scheint absolut schlüssig. Denn Gesellschaft und Mode scheinen der dunklen Bedrohung der Zukunft ausgesetzt zu sein – und nur beide können zusammen diesen Kampf gewinnen.

Die Fast-Fashion-Industrie schwebt nicht nur über der qualitativen Mode und ihren Designern wie ein Damoklesschwert- durch minderwertige Stoffe und einem hohen Ressourcenverbrauch scheint es aber auch der aktuellen Wegwerfgesellschaft in den Rücken zu fallen. Diese Begünstigung des Klimawandels bleibt nämlich für niemanden ungesühnt. Dafür ähnelt dieser der Mode in mehreren Hinsichten zu stark: So sind das Klima und Mode wichtige Lebensbereiche, die jeden etwas angehen und mit denen verantwortungsvoll umgegangen werden muss.

Mit der richtigen Haltung und Einstellung kann jeder beides beeinflussen und so seinen Teil zur Welt beitragen. Der Greenshowroom hat Wege dafür aufgezeigt und den Besuchern auf ihrem persönlichen Weg zur Nachhaltigkeit noch eins mitgegeben: Wenn ein altes Kraftwerk zu einem Bollwerk gegen den Klimawandel mutieren kann, dann können sich auch Konsumenten und Produzenten gegen minderwertige und umweltschädigende Mode formieren.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Seminars „Magazin: Stoff, Mode und Konsum – ein kritischer Diskurs“ an der Universität Bielefeld unter der Leitung von Susanne Beckmann entstanden.

Fotos: Thomas Niedermüller, Zacharie Scheurer