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Was wir im Winter um den Hals tragen

Der Schal – ein ständiger Begleiter zu jeder Jahreszeit

Lange galt er nicht als modisches Accessoire. Er war ein Statussymbol, wurde als politisches Statement eingesetzt. Dabei ist kein anderes Kleidungsstück so muster- und farbenreich, und kann ein Outfit so schnell und leicht verändern. Im 20. Jahrhundert wurde er als modisches Highlight entdeckt. Frauen trugen ihn sinnlich um den Hals geschlungen und betonten ihren Hals, während Männer ihn möglichst lässig als „Krawatte“ banden oder locker wickelten.

Seit einigen Jahren dann der Umbruch. Möglichst dick und groß soll der Schal sein. Trendforscher stellen die Vermutung an, es könne der Wunsch nach Geborgenheit und Entschleunigung sein. Doch ist ein neuer Trend, zurück zu mehr Offenheit und Understatement erkennbar? Welche Farben, Materialien und Tragetechniken prägen den Winter 2016/2017 ?

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Wie unterschiedlich Schals gebunden werden

Gegensätzlicher könnten die Schals der beiden, die mit einer Freundin über den Weihnachtsmarkt spazieren, kaum sein. Seiner, grau und mit Strickmuster, ihrer weiß mit farbigem Ethnomuster und selbst angenähten Fransen. Auch beim Tragen des Schals unterscheiden sich die beiden. Seiner ist klassisch „zusammengebunden und dann durch die Schlaufe gezogen, ähnlich wie eine Krawatte“, während sie ihren Schal „locker um den Hals gebunden“ trägt. Doch in einem unterscheiden sich die beiden nicht, beide Schals „waren ein Geschenk“. Schnell noch die Frage, wie sie niemals einen Schal binden würden. Lachend zeigen beide aufeinander „so, wie er, bzw. sie“.

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Schalträger Dominic und Felix

„Schwarz, schlicht und nicht auffällig“, das war dem 28 jährigen Felix, der zu Besuch in Bielefeld ist, beim Kauf seines Schals wichtig. Woher er ihn hat, weiß er nicht mehr ganz genau „aus einem Modegeschäft in der Stadt“. Schlicht und stylisch trägt er ihn und lässt ihn locker um den Hals hängen. Wenn es kälter ist, wärmt er „ins Gesicht gezogen und wie ein Schleier um die Nase gebunden“ mehr. Etwas auffälliger, ist der dunkelgrüne Schal seines Freundes Dominic. Ein Geschenk war dieser, „selbstgestrickt von der Tante meiner Mutter“. Momentan probiert er verschiedene Bindetechniken aus, da er ihn „erst seit gestern hat“.

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Angelina mit einem geschenkten Schal von Zara

Warm und gemütlich eingewickelt steht Angelina, 22, DAF und Geschichtsstudentin, vor dem Eingang der Universität. „Von Zara“ sei der Blanket-Schal, sie habe ihn geschenkt bekommen. Es ist ihr anzusehen, dass sie „Schals als Accessoire trägt“. Stilsicher hat sie den braun-weiß-grauen Schal zu ihrem schwarz-weißem Outfit kombiniert. „Doppelt um den Hals gebunden und ein Ende seitlich eingesteckt“, so bindet sie die große Stoffbahn oft.

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Katinka liebt die Recyclingbörse

Fröhlich schlendert die 22 jährige Erziehungswissenschaftsstudentin Katinka durch die Unihalle, ihr Seminar fällt spontan aus. Dunkelblau und die Farben des Outfits aufgreifend, harmoniert der Schal mit dem Outfit. Den habe sie von Monki aus Hamburg, der einzige, den sie neu in einem Laden gekauft hat. Sie hat „sonst viele selbstgestrickte Schals, von meiner Mama und Schwester, die sich ans Stricken rangemacht haben“. Die Studentin trägt viele geschenkte, getauschte oder Klamotten, die sie Second-Hand gekauft hat. „Gerade die Recyclingbörse in Bielefeld ist sehr zu empfehlen“. Genauso locker wie ihr Stil, trägt sie den Schal. „Zweimal locker um den Hals gebunden uns seitlich verknotet“.

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Ann mit Second Hand Schal

Unter all den grauen, schwarzen und braunen Schals hebt sich Annas schwarz- weiß karierter Schal als „Eyecatcher“ ab. „Passend zu einem Outfit“ habe die 22 jährige Köchin sich für diesen bei H&M entschieden. Ganz entspannt schlendert sie mit einem Kaffee an ihrem freien Tag durch die Stadt. Und entspannt ist ihr auch beim Tragen des Schals wichtig. Um den Hals gebunden, dabei die Enden locker runterhängend, trägt sie ihn, „das geht am einfachsten und schnellsten“.

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Mann aus Niederlande

Ton in Ton, kommt der Schal des Niederländers daher. „Sure“ sei der Schal farblich zum Outfit abgestimmt. Klassisch gebunden trägt er ihn oft. Schnell noch ein Foto, seine Frau wartet um weiter über den Weihnachtsmarkt zu schlendern.

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Greta

Die 19 jährige Greta kommt gerade von ihrem ersten Praktikumstag im Stadttheater. Es ist ihr erster Tag in Bielefeld, deshalb hat sie „auch noch nicht ihr Outfit zusammen.“ Farblich abgestimmt sei ihr Outfit, im Gegensatz zu sonst heute nicht – finden wir schon. Ganz alt ist der Schal, „Ich glaube von H & M oder Pimkie ist der, damals als ich noch in so Läden gekauft habe“. Dennoch oder gerade deshalb trägt sie ihn jetzt noch „weil er mir jetzt besser gefällt. Er hat diese Taschen, die sehen ganz witzig aus, und der hält mich im Moment schön warm“. Sie trägt ihn locker einmal um den Hals geschlagen, wenn es wärmer ist trägt sie ihn manchmal auch anders, „um die Schultern gelegt, wie eine Art Umhang.“

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Paula und Tijen

Die beiden Freundinnen Paula und Tijen bummeln durch die Einkaufsstraße der Bielefelder Innenstadt. Während der graue Schal der 27 jährigen Maßschneiderin und Modedesignerin farblich auf das Outfit abgestimmt ist, „ich habe unter dem Mantel ein bordeauxfarbenes Sweatshirt an, dann passt der graue perfekt“, ist der pastellige Wollschal von Scotch and Soda der Kulturwissenschaftsstudentin aus Leipzig „sonst farblich abgestimmt“, bei dem Outfit jetzt gerade nicht, aber sonst versucht sie „schon darauf zu achten.“ Tijen trägt ihren Schal, der von „Kauf dich glücklich“ und eine kostengünstigere Alternative des Klassikers von Acne ist, „einmal kurz umgeschlungen, einmal lang und dann noch einmal reingesteckt“. Paulas Schal liegt über den Mantel, gebunden ist er „um den Hals herum und ein Ende seitlich reingesteckt“.

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Die Fotografiestudentin Davon trägt den Schal modern gebunden

Der Schal von Davon, 21 ist geradezu dezent und farblich auf das Outfit abgestimmt. Sie trägt ihn ganz klassisch: „doppelt und dann die Enden durch die Schlaufe gezogen“. Schnell noch ein Foto, dann muss die Fotografiestudentin weiter zu einem Seminar in der Uni. Schon im Weggehen die Antwort auf die Frage, woher der Schal denn nun sei „aus Korea“.

Fotos: Barbara Bohn/ Susanne Beckmann

Dieser Artikel ist im Rahmen des Seminars „Magazin: Stoff, Mode und Konsum – ein kritischer Diskurs“ an der Universität Bielefeld unter der Leitung von Susanne Beckmann entstanden.

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