Soziale Netzwerke in Textilfamilien

Magische Spinnräder und nach Erfolg strebende Schneider sind Gegenstand zahlreicher Märchen. In Adalbert Kuhns – brandenburgischen – Version des tapferen Schneiderleins (1843: 289-293) gelingt es dem Schneider, einen Bären zu töten, worauf die Belohnung stand, die Tochter des Königs zu ehelichen. Da der Schneider jedoch bucklig ist, will der König nicht, dass dieser seine Tochter heiratet. Darum stellt er ihm weitere Aufgaben. Deren letzte ist es, der Sonne nachzureiten. Daraufhin findet der Schneider sein Ende in einem Sumpf. Auch wenn die Grimm’sche Version für den Protagonisten deutlich besser ausgeht, eint beide Versionen, dass es sich beim Schneiderlein nicht um eine Figur handelt, die in der Ferne die Liebe findet und zurückkehrt, um in der Heimat zu erben. Vielmehr wird die Chance für besitzlose Personen betont, die durch die Heirat einer Frau an deren Erbe gelangt. Die Aussicht, von matrilinearen Erbfolgen – Erbe an Frauen – oder über einen Haushalt verfügende Witwen zu profitieren, konnten zu Dreistigkeit und Abenteuerlust anregen, dass ein besitzloser Handwerker seines eigenen Glückes Schmied wurde.

In Zeiten von Grundherrschaft und ohne Gewerbefreiheit waren die Stellen der Webermeister und Schneidermeister in Ortschaften begrenzt.[1] Grundherren (und Zünfte in den Städten) reglementierten die Zahl ansässiger Handwerker. Die Erlangung von Stellen, die ein erträgliches Auskommen garantierten, waren nicht selten mit strategischen Ehen verbunden. Somit waren Eheschließungen einerseits von zentraler Bedeutung für die soziale Mobilität und andererseits Gegenstand strategischer Überlegungen von Familien. (Vgl. Tenfelde 1979: 197f & Kocka 1990: 150)

Soziale Hierarchie

Auf dem Lande „umfassten Familienstrategien in erster Linie die Bereiche von Besitzweitergabe, betrieblicher Strategien, Heiratspolitik und sozialer Platzierung von Kindern“, schreibt Christine Fertig in (2012: 14) Familie, verwandtschaftliche Netzwerke und Klassenbildung im ländlichen Westfalen (1750-1874).[2] Darin nimmt sie sich den bäuerlichen Strategien und den Strategien Besitzloser an. Während erstere auf den Erhalt von Status und Hof zielten, forcierten letztere die Risiko-Minimierung eines unsicheren Arbeitsmarktes und die Garantie von Unterstützungsleistungen. So war es von Vorteil, für alles so vorbereitet zu sein, dass die eigene Familie es tragen bzw. überwinden konnte. Je mehr die Familie bewerkstelligen konnte, umso geringer war die Abhängigkeit von Markt- und Herrschaftsstrukturen. Mit anderen Worten: Verwandtschaftsbewusstsein war eine Ressource, die in Kapital transformiert werden konnte (vgl. Bourdieu 1976: 121). Dabei stellten Patenschaften eine Erweiterung des Verwandtschaftskreises dar. Die Grenzen des Heiratskreises wiederum, also jener Personen, die man legitim heiraten konnte, wurden durch Ansehen, Prestige und soziales Kapital vorgegeben. Entsprechend zielten Heiratsstrategien auf die Maximierung von materiellen und symbolischen Profit, der durch eine Ehe als Transaktion erzielt wurde. (Vgl. Bourdieu 1976: 124)

Neben diesen direkten Verbindungen, die durch Ehen geschaffen wurden, waren auch andere Verwandtschaftsgrade, Patenschaften für Kinder, die Nachbarschaft, Arbeitsbeziehungen sowie Freundschaften (vgl. Fertig 2012: 46). Verwandtschaft jenseits der engeren Familie diente in ländlichen Regionen der Stellenvermittlung und der Akquirierung von Unterstützungsleistungen (Fertig 2012: 52f). Verwandtenehen waren sowohl in isolierten Gebieten häufiger zu beobachten, als auch bei sich sozial abgrenzenden Gruppen (vgl. Fertig 2012: 55f). Insgesamt lässt sich aber häufiger der Austausch zwischen bereits verschwägerten Familien beobachten, die ihre Beziehungen durch weitere Ehen und Patenschaften intensivierten. Durch ein solches Relinking werden „kühle“ Netzwerke geschaffen, die noch nicht durch „heiße“ Blutsverwandtschaft bestanden (Fertig 2012: 57). Die Nachbarschaft war hingegen eine „funktionale Nothilfegemeinschaft“ (Fertig 2012: 47), die in größeren Notlagen genutzt wurde.

Zu einem gewissen Maße bestand die soziale Erwartung, dass aus solchen Beziehungen Unterstützungen zu resultieren haben. Alle sozialen Gruppen waren demnach daran interessiert, sich nach unten abzugrenzen – das heißt: keine oder möglichst wenige Beziehungen zu schlechter gestellten Familien einzugehen, da diese unmittelbar stärker von Notlagen betroffen waren und entsprechend Hilfe einforderten. Für die Einteilung nach sozialen Schichten nutzt Fertig die Berufsbezeichnungen, welche verlässlich bei Anlässen wie Eheschließung, Geburt eines Kindes oder Tod erfolgten.[3] Zu Grunde legt sie die folgende Hierarchie: Bauern – Neubauern – Handwerker – Ländliche Unterschichten (vgl. Graphik 1).

Graphik I: Soziale Hierarchie in der ländlichen (brandenburgischen) Bevölkerung. Eigene Graphik.

Dazu einige Ausführungen: Zu den ländlichen Unterschichten zählten laut Fertig Tagelöhner, Ackerknechte, Kötter (oder Kossaten). Gerade diese Unterschichten seien geographisch mobil gewesen. Diesen hätten effektiv zwei Möglichkeiten gehabt, durch den Erwerb eines Hofes sozial aufzusteigen. Entweder gelangten sie durch die Ehe mit einer Bauerstochter als Aufgeheiratete bzw. Neubauern in Besitz des Hofes oder sie gründen einen neuen Hof als sogenannte Kolonisten. Zwar seien auch Handwerker häufig zusätzlich als Tagelöhner bezeichnet worden, sie durchliefen aber bereits eine aufwändige und mit Kosten verbundene Ausbildung, die sie oberhalb der Unterschichten ansiedelte.[4] Daneben gab es eine nicht-agrarische Oberschicht, die sich aus Lehrern, Küstern, Pfarrern, Gutsbesitzern und deren Ehefrauen zusammensetzte. Diese standen oberhalb bzw. neben der dörflichen Hierarchie. (Vgl. Fertig 2012: 91 & 112-116)

Problemaufriss

Abgesehen von dieser bei erster Lektüre nur schwer zu begreifenden Verortung einer Oberschicht neben oder oberhalb der dörflichen Hierarchie, fällt vor allem der Dissens zwischen Fertigs Ausführungen zum Handwerk und den klassischen sozialgeschichtlichen Arbeiten von Jürgen Kocka auf. So hätten Handwerker laut Fertig bereits eine aufwändige und mit Kosten verbundene Ausbildung durchlaufen, die sie auf dem Land oberhalb der Unterschichten ansiedelte (Vgl. Fertig 2012: 112-114). Kocka schreibt hingegen über das Landhandwerk: „Die Zunahme der Landarmut und Landlosigkeit ging also oft mit der gewerblichen Durchdringung des Landes Hand in Hand – ein Prozeß, der schon im späten Mittelalter begonnen hatte und im 18. Jahrhundert schneller verlief. Von der ‚Territorialisierung des Gewerbes‘ hat Werner Sombart schon früh in diesem Zusammenhang gesprochen. Sie geschah einerseits durch Intensivierung und Ausdifferenzierung des Landhandwerks – als Nebenbeschäftigung der Kossäten, Söldner und Einlieger und, immer häufiger, durch hauptberufliche Handwerker, die sich aus der unterbäuerlichen Schicht rekrutierten und mit dieser durch einen ähnlichen Lebenszuschnitt und engste Kontakte, meist auch durch die landwirtschaftliche Nebenbeschäftigung, verbunden blieben. Jeder vierte bis jeder dritte Dorfbewohner konnte ein Landhandwerker sein. Ungefähr die Hälfte aller selbständigen Handwerker lebte und arbeitete um 1800 auf dem Lande. Die meistern der dörflichen Radmacher und Schmiede, Schneider und Schuster, Zimmerleute und Maurer, Fischer und Schiffer, Böttcher und Ziegelstreicher waren unzünftige Alleinmeister ohne Gesellen und Lehrlinge. Sie gehörten zu den ärmeren oder ärmsten Kategorien der Landbevölkerung, obwohl es auch eine Minderheit von wohlhabenden Landhandwerkern gab: einige Müller, viele Bäcker, Küfer und Metzger (oft zugleich Wirte), oftmals auch Schmiede.“ (Kocka 1990: 93)

Dazu ist die Übertragbarkeit auf andere Regionen kritisch zu hinterfragen, räumt doch Fertig (2012: 18) selbst ein, dass Heiratsstrategien vor allem anpassungsfähig sind: Sie lassen sich beobachten, ihre Gültigkeit ist aber regional und zeitlich begrenzt.

Schließlich finden sich in Fertigs Arbeit – wohl empirisch durch die untersuchte Region bedingt – einige Berufsstände nicht oder nur begrenzt wieder. Aus anderen Gemeinden ist bekannt, dass es neben den bei Fertig genannten Berufsständen etliche weitere gab. So etwa Jäger, Förster, Händler, Schneider und Büdner.[5] Müller, Schmiede, Schafmeister und Gastwirte unterschieden sich, je nach Größe des Besitzes und rechtlicher Stellung (Erbbesitz oder nur Pächter), von Dorf zu Dorf stark voneinander.

Vorgehen

Für diesen Aufsatz werden orientiert im methodischen Vorgehen an der Dissertation von Fertig (2012) historische, personenbezogene Daten zu Textilfamilien analysiert. Es werden verschiedene Weber- und Schneiderfamilien (Fälle) herangezogen, deren Lebenserwerb über mehrere Generationen der Produktion von Textilien oder deren Rohstoffen war, um durch verwandtschaftliche Netzwerke und Erscheinungen sozialer Mobilität Klassenbildung nachzuzeichnen. Das Weben ist ein Handwerk, das durch die Industrialisierung prototypisch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Angesichts des populären Schicksals der Schlesischen Weber (Kroneberg/Schloesser 1979) kann gefragt werden, ob bzw. bis wann dieser Beruf noch als Handwerk zählte oder ein zunehmend spärlicher Zuverdienst war? Schaffen es die Textilhandwerker zur Sonne oder verenden sie wie im Märchen von Kuhn im Sumpf? In diesem Beitrag wird zunächst nach Unterschieden zwischen Schneider- und Weberfamilien gegenüber anderen Handwerksfamilien gefragt. Wird ein unteres Ende der Handwerksschicht von Webern besetzt? War die Herkunft aus einer Schneiderfamilie so angesehen, dass ein sozialer Aufstieg gegenüber anderen Handwerkern wahrscheinlicher war?

Zur Beantwortung dieser Frage wurden Ehen aus der Zeit von ca. 1690 bis ca. 1890 ausgewertet, wie sie – vor der Schaffung verbindlicher Standesämter in den 1870er Jahren – in den örtlichen Kirchenbüchern dokumentiert sind.[6] Da gewerbliche Unterlagen des Landhandwerks fehlen, zählen solche Daten auch zu den wenigen Möglichkeiten, solche Handwerksfamilien in die soziale Hierarchie einzuordnen. Mittels der Auswertung der Berufe von Schwiegereltern und Schwiegersöhnen von Textilhandwerkern sowie der Schwiegereltern der Kinder aus Textilhandwerksfamilien wird der Heiratskreis der Textilhandwerker erfasst. Die herangezogenen Fälle stammen aus Kirchenbüchern aus dem Westhavelland und dem ehemaligen Kreis Jerichow°II; letzteres ist die Grenzregion zwischen den heutigen Bundesländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Dies ist der Bereich der Unteren Havel, in dem durch Bodenkulturmaßnahmen – Melioration – Sumpf-, Moor- und Bruchlandschaften nutzbarer Boden abgewonnen worden (vgl. Gudermann 2000, Meinicke 2001). Über diese Region heißt es in einer Publikation des NABU (o.J.): „[D]er Bereich der Unteren Havel [ist] durch eigene, aber besonders durch Elb-Hochwässer gefährdet. Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es immer wieder solche Hochwasserkatastrophen, die das Leben und den Lebensraum der Havelanwohner gefährdeten. So verzeichnen die Chroniken in den Jahren 1566 und 1595 den Bruch des rechtsseitigen Elbdeiches und infolgedessen die Überschwemmung des Haveltales durch das Stremmetal. Der Hochwasserstand erreichte in Rathenow ungefähr 6,28 bzw. 6,59 m am Pegel (nach Berghaus), und auf dem Marktplatz der Stadt konnte man mit Kähnen verkehren. Um die Hochwassergefahren für das Havelgebiet bis Rathenow zu verringern, begann man schon sehr früh mit der Anlage von Hochwasserschutzdeichen.“

Ergebnisse

In den untersuchten Orten wurden 13 Schneider, 41 Weber und 31 weitere Handwerker[7] zuzüglich ihrer Verwandten identifiziert. Die geringe Zahl an Schneider spricht dafür, dass ihre Dienste lediglich zu besonderen Anlässen oder nur von einem Teil der ländlichen Bevölkerung in Anspruch genommen werden konnte. Zudem ist davon auszugehen, dass die gefertigten Kleidungsstücke – zumindest von den Unterschichten – häufiger von selbst repariert und getragen wurden, bis diese nicht mehr tragbar waren. Es herrschte also ein anderes Verhältnis zu Kleidung als in unserer Wegwerfgesellschaft. Die Weber verwebten entweder als Garnweber Flachs zu Garn oder als Leineweber Garn zu Leinengewebe – häufig übten sie beides aus. Neben den Familien, die über mehrere Generationen das Weberhandwerk ausübten, gibt es auch eine nicht zu verachtende Zahl an Personen, die diesen Beruf ohne diesen familiären Hintergrund erlernten. Es war aber nicht die Regel, dass Kinder von solchen „Zuverdienst“-Webern ebenfalls Weber wurden.

Um auf Unterschiede zwischen Weber-, Schneider- und anderen Handwerksfamilien zu prüfen, wurden die Berufe der entsprechenden angeheirateten Verwandten (Schwiegerväter und Schwiegersöhne von Handwerkern, sowie Schwiegerväter von Handwerkskindern) in Tabellen entsprechend der von Fertig skizzierten sozialen Hierarchie erfasst (s. exemplarisch Tab. 1). Dabei wurden die Berufe weitestgehend angeglichen: So wurden bspw. Tagelöhner, Einlieger und Handarbeiter auf die Bezeichnung Arbeitsmann und Halbbauer, Ackermann, Meyer und Schulze auf die des Bauern zusammengefasst. Die resultierenden drei Tabellen wurden einem Chi²-Test auf Unterschiede in den Stichproben unterzogen. Dieser ermittelt, ob die Unterschiede zwischen vorgefundenen Gruppen signifikant, d.h. nicht zufällig sind (vgl. Bubenhofer 2006-2017 & Bühl/Zöfel 2000: 229-240). Für alle drei Tabellen ergab dieser statistische Test, dass es keine signifikanten Unterschiede gibt. Das heißt, dass sich Schneider und Weber in ihren möglichen Heiratspartnern nicht von anderen Handwerksberufen unterscheiden. Im beobachteten Zeitraum – ca. 1690 bis ca. 1890 – heiraten alle Handwerker und ihre Kinder gleichermaßen gut oder schlecht.

Beruf des angeheirateten Verwandten Proband ist Schneider Proband ist Weber Proband ist anderer Handwerker
Bauer 3 10 10
Handwerk (z.T. zusätzlich Büdner oder Kossat) 8 15 15
Kossat 2 11 1
Büdner 2 6 9
Arbeitsmann 1 12 10

Tabelle 1: Beruf der Schwiegerväter von Handwerkskindern. Quelle: Eigene Tabelle.

Ausblick

Ob das Handwerk als solches ein Sprungbrett – also der Griff zur Sonne – soziale Stagnation, oder ein Abstieg in den Sumpf bedeutete, kann mit diesen Ergebnissen allein nicht beurteilt werden. Dazu werden weitere Untersuchungen – hoffentlich auch mit einer größeren Zahl an Textilhandwerkern – folgen. In diesen Untersuchungen wird zum einen danach gefragt, ob sich die Größe des durch Ehen und Patenschaften verbundenen Personenkreises gegenüber den anderen Handwerken unterschied. Zum anderen kann auch ein Vergleich zwischen Handwerk und anderen sozialen Schichten (bspw. Büdner und Kossaten) erfolgen. Schließlich kann auch danach gefragt werden, ob sich über den Zeitverlauf eine Verschlechterung des Landhandwerks – insbesondere des ländlichen Textilhandwerks – in seinen Heiratschancen beobachten lässt.

[1] Im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformen wurden in Preußen erste Schritte zur Bauernbefreiung – der Abschaffung der Frondienste – eingeleitet. Diese Reformen in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts betrafen Bauern in gutsherrlichen Verhältnissen, jedoch nicht die mit einem besseren Besitzrecht ausgestatteten grundherrlichen Bauern. Schließlich wurden 1850 allen Dienstbarkeiten abgeschafft ohne Entschädigung der Grundherren. Parallel zur Befreiung des Bauernstands wurde die Gewerbefreiheit 1810 als Hauptbestandteil der Stein-Hardenbergschen Reformen in Preußen eingeführt. (Vgl. Vogel 1983: 165-187, Kreutzkamp 2003: 123, Schneider 2007)

[2] In dieser Dissertationsschrift geht Fertig (2012: 1) laut eigenen Angaben „über klassische, gesellschaftliche Positionen untersuchende Schichtungsanalysen hinaus, indem sie soziale Beziehungen in den Blick nimmt und die relationale Struktur zweier westfälischer Gemeinden im 19. Jahrhundert analysiert.“ Ihr Forschungsinteresse gilt einem möglichen Niederschlag „eine[r] klare[n] Hierarchie“ aufgrund der Besitzverhältnisse „auf der Ebene der Netzwerkstruktur“ in Form „eine[r] Segregation in soziale Klassen“ (ebd.). Zur Klassenbildung im 18. und 19. Jahrhundert haben Heiratsstrategien als Bestandteil der Wandlung von vertikalen (Klientelismus) zu einer horizontalen Orientierung (Netzwerk- und Allianzbildung) beigetragen. Dazu dienten Ehen zwischen Cousins und Cousinen, als auch innerhalb bereits durch Ehen bzw. Verschwägerung verknüpften Familien. Diese Strategie des Heiratens zum erneuten Verknüpfen von Familien, wird relinking genannt (vgl. Fertig 2012: 57).

[3] Dabei seien die Berufsbezeichnungen von Paten am wenigsten verlässlich.

[4] Gelang Handwerkern der Erwerb eines Hofes, so ordnet sie Fertig den Handwerkern zu. Bei fehlender Berufsbezeichnung ist davon auszugehen, dass das Gewerbe der Eltern (eigene, Stief- oder Schwiegereltern) wahrgenommen wurde, jedoch noch keine Übergabe des Besitzes stattgefunden hat.

[5] Ein Büdner war in Norddeutschland, vor allem in Regionen östlich der Elbe, ein Besitzer eines kleinen Wohnhauses und nur wenig Land, das für den Lebensunterhalt vollständig bewirtschaftet werden musste.

[6] Die Eltern mussten zum Teil durch Geburtseinträge ermittelt werden. Für die Möglichkeiten zur Einsichtnahme in Kirchenbücher im Rahmen dieses Projekt danken wir den Pfarrern und Mitarbeiterinnen der Kirchengemeinden Plaue an der Havel, Wusterwitz und des Domstiftsarchiv Brandenburg an der Havel.

[7] Dient als Referenzgruppe, bestehend aus Zimmermännern, Maurern, Zieglern und Schuhmachern.

Literatur:

Bauerkämper, Arnd (2002): Ländliche Gesellschaft in der kommunistischen Diktatur. Zwangsmodernisierung und Tradition in Brandenburg 1945-1963. Köln / Weimar / Wien: Böhlau.

Bourdieu, Pierre (1976): Marriage Strategies as Strategies of Social Reproduction. In: Robert Forster & Orest Ranum (Hg.): Family and Society. Baltimore/London: The Johns Hopkins University Press, S. 117-144.

Bubenhofer, Noah (2006-2017): Einführung in die Korpuslinguistik: Praktische Grundlagen und Werkzeuge. Elektronische Ressource: http://www.bubenhofer.com/korpuslinguistik/ (Letzter Zugriff: 28.09.2017)

Bühl, Achim & Zöfel, Petzer (2000): SPSS Version 10. Einführung in die moderne Datenanalyse unter Windows. München: Addison-Wesley.

Fertig, Christine (2012): Familie, verwandtschaftliche Netzwerke und Klassenbildung im ländlichen Westfalen (1750 – 1874). Stuttgart: Lucius & Lucius.

Gudermann, Rita (2000): Morastwelt und Paradies. Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft am Beispiel der Meliorationen in Westfalen und Brandenburg (1830 – 1880). Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Kocka, Jürgen (1990): Weder Stand noch Klasse. Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Bonn: Dietz.

Kreutzkamp, Franz-Peter (2003): Bauernbefreiung auf Cappenberg. Die Entwicklung der grundherrlich-bäuerlichen Rechtsverhältnisse vom ausgehenden 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts am Beispiel der ehemaligen Bauernschaft Übbenhagen. Münster: LIT.

Kroneberg, Lutz & Schloesser, Rolf (Hg.) (1979): Weber-Revolte 1844. Der schlesische weberaufstand im Spiegel der zeitgenössischen Publizistik und Literatur. Köln: Leske.

Kuhn, Adalbert (1843) Märkische Sagen und Märchen: nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben, URL: https://books.google.de/books?id=qNsAAAAAcAAJ&pg=PA289&redir_esc=y&hl=de#v=onepage&q&f=false (Abruf: 06.08.17)

Meinicke, Joachim (2001): Die Geschichte der Mark Brandenburg bis zum 30-jährigen Krieg. URL: http://www.brandenburg1260.de/die_mark_brandenburg.html (Abruf: 06.08.17)

NABU (o.J.): Havel. URL: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/lebendigefluesse/havelgeschichte.pdf (Abruf: 06.08.17)

Schneider, Karl H. (2007): Bauernbefreiung und Agrarreformen. Eine Einführung. Hannover 2007. URL: http://www.lwg.uni-hannover.de/w/images/5/5a/Kt7_bauernbefreiung_agrarreformen.pdf (Abruf: 06.08.17)

Tenfelde, Klaus (1979): Ländliches Gesinde in Preußen. Gesinderecht und Gesindestatistik 1810 bis 1861. In Archiv für Sozialforschung, Volume 19, 189-229.

Vogel, Barbara (1983): Allgemeine Gewerbefreiheit. Die Reformpolitik des preußischen Staatskanzlers Hardenberg (1810-1820). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Stand: 17.10.2017

 

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