„Ernst, Satire, Soap und Klamauk“…

Jetzt ist es raus – unsere „Voraussicht“ hatte Premiere. Und zwar im Rahmen des Formate-Festivals am Theater Bielefeld. Lustig war’s, trashig und pornös!

Im Garten Eden ist mal wieder beschissenes Wetter. Es regnet und regnet. Und die beiden frisch geschöpften Menschen haben dummerweise nichts zum Anziehen. Sie sind nackt. Also machen sie sich daran, die Kleidung zu erfinden. Aber Feigenblatt ist spätestens im Herbst, wenn die Blätter welk werden, keine richtig gute Idee. Also muss etwas anderes her: Stoff, Gewebe, Tuch!

Die Geschichte der Menschheit beginnt bereits mit einem Drama, das wir heute jeden Morgen erleben, wenn wir vor dem Kleiderschrank stehen: Was anziehen? Nach Generationen von sonderlichen Experimenten mit Bärenfell, Toga, Ritterrüstung und Burka sind wir nun endlich beim ultimativen Kleidungsstück angekommen: dem ökologisch korrekten und nachhaltig produzierten T-Shirt.

Wie viel auf diesem Weg schief gehen kann, warum wir immer noch mehr Stoff brauchen und welche Geschichten hinter einem einfachen T-Shirt von Levi’s stecken können, das erzählt unsere „Voraussicht“. Der Abend ist ein erste Einblick in unsere Recherchen mit Interviews, Fotos, Videos und historischen Texten. Eingeflossen sind die Recherchen unseres Teams von recherchepool, die auf den Reisen nach Argentinien und Vietnam und während unserer Forschungen in Bielefeld entstanden sind. Mit dabei sind aber auch Ausschnitte einer soziologischen Forschung zum Thema Vorhänge der Soziologiestudentin Corinna van den Bruck und Geschichten, die die Schauspieler_innen Georg Böhm, Cédric Cavatore und Isabell Giebeler beigetragen haben.

Live auf der Bühne werden chemische Experimente mit Kunstseide durchgeführt, ein T-Shirt genäht und ein Tanz für Vorhänge inszeniert. Und das ganze als wilder Drogentrip, für den neuer Stoff der ultimative Kick ist.

Ernst, Satire, Soap und Klamauk – Böhm, Giebeler und Cavatore ziehen alle Register und zeigen binnen 100 Minuten 1000 Gesichter. Ihre Wandlungsfähigkeit und Agilität begeistert und beschert dem Publikum im TAMdrei einen kurzweiligen Theaterabend, der nichtsdestotrotz nachdenklich stimmt.

Westfalen-Blatt, 26.06.17

Wer „Stoff! Mehr Stoff!“ im TAM DREI noch sehen möchte, muss schnell sein! [Termine und Tickets]

Fotos: Philipp Ottendörfer

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